Trommel und Lebensbaum
· zwei Symbole spiritueller Verbundenheit
Die Trommel trägt den Schamanen in die andere Welt, und der Lebensbaum hält die Welten zusammen. Zwei sehr alte Bilder, die man in vielen Traditionen findet.
Fragt man Menschen, was ihnen beim Wort Schamanismus spontan einfällt, kommen oft zwei Bilder: eine Trommel und ein Baum. Das ist kein Zufall. Beide sind in sehr vielen Kulturen so eng mit der schamanischen Praxis verbunden, dass sie fast als Erkennungszeichen gelten können.
Dieser Artikel vertieft ein Thema aus der Wolfs-Übersicht „Der Wolf als Krafttier · drei Kulturräume" und erklärt, was Trommel und Lebensbaum im schamanischen Sinn bedeuten.
Die Trommel als Reittier
In sibirischen Traditionen gilt die Trommel als Reittier des Schamanen. Sie trägt ihn, nicht körperlich, aber in seinem Bewusstsein, in die andere Welt. Was die Forschung über die Wirkung des Rhythmus sagt und wie vorsichtig man mit diesen Ergebnissen umgehen sollte, habe ich im Artikel Schamanisches Trommeln beschrieben.
Kurz gesagt macht die Trommel nichts, was der Schamane nicht auch selbst könnte. Sie macht es aber verlässlicher, und genau das ist der Unterschied zwischen einer zufälligen Eingebung und einer Praxis.
Die Trommel in verschiedenen Traditionen
Die Rahmentrommel findet man in Sibirien, bei den Sámi, bei indigenen Völkern Amerikas und in vielen anderen Regionen, jedes Mal mit eigenen Formen und Ritualen, aber mit erstaunlich ähnlicher Aufgabe. In Japan hat die Taiko-Tradition eine ganz andere Seite dieser Kraft entwickelt, eher groß und körperlich. Im haitianischen Vodou rufen die Trommeln (tanbou) die Lwa, und im daoistischen Ritual erfüllen Gong und Becken eine verwandte Aufgabe.
Der Klang einer Rahmentrommel ist weicher als der eines Schlagzeugs, reich an Obertönen, fast atmend. Wer ihn einmal bewusst gehört hat, erkennt ihn wieder.
Die Trommel im Wolfs-Schamanismus
In der Wolfs-Linie ist die Rahmentrommel das wichtigste Werkzeug der inneren Reise. Wie wir damit arbeiten, beschreibe ich hier nicht im Einzelnen. Das gehört in die Live-Events, wo der Rahmen gehalten wird. Nur so viel: Das Zurückkommen und das Verankern des Erlebten sind dabei genauso wichtig wie die Reise selbst, und gerade diesen Teil unterschätzen viele.
Der Lebensbaum als Achse der Welten
Das zweite große Bild ist der Lebens- oder Weltenbaum. Im Norden ist es die Esche Yggdrasil, die die neun Welten verbindet. Im alten Iran gibt es den Baum Gaokerena, in China den Sonnenbaum Fusang (扶桑), und bei den Maya den Ceiba-Baum, der Himmel, Erde und Unterwelt verbindet.
Gemeinsam ist diesen Bildern eine senkrechte Ordnung der Welt: Die Wurzeln reichen in die untere Welt, der Stamm steht in der mittleren Welt, und die Krone ragt in die obere Welt. Einfach gesagt ist der Baum eine Landkarte, die zeigt, wo der Mensch zwischen den Ebenen des Seins steht.
Die untere Welt
Hier begegnet man den Ahnen, den eigenen Wurzeln und oft auch Krafttieren. Anders als unser Wort „Unterwelt" vermuten lässt, ist das kein finsterer Ort, sondern der Grund, auf dem alles aufbaut.
Die mittlere Welt
Das ist die Welt, in der wir leben, allerdings mit schamanischer Aufmerksamkeit gesehen. Hier wird die Natur zum Gegenüber und der konkrete Ort zum Ritualort.
Die obere Welt
Hier begegnet man den hohen Lichtwesen. Im esoterischen Buddhismus Japans wäre das der Raum, in dem die Buddhas und Bodhisattvas erscheinen, wie man sie aus den Mandalas kennt.
Wie beides zusammengehört
Trommel und Lebensbaum sind keine zwei getrennten Werkzeuge. Man könnte sagen, die Trommel ist das Reittier und der Baum ist die Landkarte. Ohne Reittier kommt man nicht vom Fleck, und ohne Landkarte verliert man die Orientierung.
Wer diese Praxis selbst erleben möchte, findet sie in den Live-Events des Meisterwegs. Dort findet man auch die eigene Beziehung zur Trommel, die einen dann oft über viele Jahre begleitet.
Welches der beiden Bilder spricht dich mehr an, die Trommel oder der Baum?
Trommel und Lebensbaum praktisch gehen
Wenn du magst, schau dir in Ruhe an, wie der Weg bei Shamanic Worlds aussieht. Marks Buch „Schamanisches Heiltrommeln" ist die schriftliche Grundlage.