Ninjutsu und
schamanische Magie
Der Ninja des Westens ist eine Erfindung des Kinos. Der Ninja der Tradition ist etwas anderes: ein Erbe der Bergasketen, ein Praktiker von Kuji Kiri, ein Krieger mit schamanischer Tiefe.

Ein Ninja im westlichen Bewusstsein ist meist eine Figur aus einem Film oder einem Videospiel – schwarz gekleidet, lautlos, mit Shuriken und Schwert bewaffnet. Das Bild ist populär, aber es ist eine Schicht, die erst im 20. Jahrhundert entstanden ist. Was darunter liegt, ist älter und interessanter: eine Tradition, die tief in die schamanische und magische Praxis Japans hineinreicht.
Dieser Artikel gehört zum Kampfkunst und setzt auf dem Hub-Artikel über den spirituellen Krieger auf. Er beschreibt den Ninja so, wie er in den frühen Quellen erscheint – und so, wie er in der Linie weitergegeben wird, in der Dr. Mark Hosak heute steht.
Die Wurzeln im Shugendo
Die Vorformen des späteren Ninjutsu entstehen nicht in einem militärischen Kontext, sondern im Shugendo – der japanischen Tradition der Bergasketen, der Yamabushi. Diese Asketen zogen in die Berge, praktizierten dort Monate oder Jahre, arbeiteten mit Atem, mit Feuer, mit Wasserfällen, mit Kami und Buddhas. Sie waren das, was man in einem anderen kulturellen Kontext Schamanen nennen würde.
Aus ihrem Umfeld kamen die ersten Techniken, die später als Ninjutsu systematisiert wurden: das Gehen im Gebirge ohne Spuren zu hinterlassen, das Bewegen in absoluter Stille, das Ausrichten des Atems, das Arbeiten mit Handzeichen, das Rufen geistiger Verbündeter. All das waren zunächst Praktiken der geistigen Arbeit, nicht des Kampfes.
Mit der Zeit – besonders ab dem 14. und 15. Jahrhundert – trafen sich in einzelnen Gebieten Japans (insbesondere in Iga und Kōga) verschiedene Traditionslinien: Shugendo, esoterischer Buddhismus (Shingon und Tendai), daoistische Einflüsse, Onmyodo, lokale Shinto-Praxis. Aus diesem Amalgam entstand, was wir heute Ninjutsu nennen.
Kuji Kiri · die neun Silben der wahren Worte
Das bekannteste magische Element der Ninjutsu-Tradition ist Kuji Kiri, der Neun-Zeichen-Schnitt. Die neun Silben Rin · Pyo · To · Sha · Kai · Jin · Retsu · Zai · Zen gehen auf die daoistische Schrift des Ge Hong aus dem 4. Jahrhundert zurück, auf das Baopuzi. Dort werden sie als Schutzformel beim Betreten belebter Berge beschrieben.
Im Ninjutsu wurden sie zu einem Werkzeug, das schnell, unauffällig und unter extremer Belastung einsetzbar war. Die Funktionen verschoben sich:
- Schutz vor energetischer und tatsächlicher Gefahr
- Fokus unter Stress, auf langen Einsätzen
- Wahrnehmung über das gewöhnliche Maß hinaus
- Rufen geistiger Verbündeter, in der Shingon-Linie bestimmte Bodhisattvas und Myoo
- Zustandswechsel für heilende, tarnende oder kriegerische Operationen
Der ausführliche Hintergrund steht im Artikel zu Kuji Kiri im schamanischen Kontext. Hier geht es vor allem darum, dass Kuji Kiri keine Erfindung der Ninjas ist, sondern ein aus dem Schamanisch-Daoistischen übernommenes Werkzeug, das sie mit besonderer Präzision nutzten.
Gotonpo · die fünf Elemente als magische Technik
Ein zweites zentrales Element ist Gotonpo, das Prinzip der fünf Elemente in seiner magisch-praktischen Anwendung. Erde, Wasser, Feuer, Luft, Leere – jedes Element entspricht einer Reihe von Techniken, die sowohl körperlich als auch energetisch zu verstehen sind.
Gotonpo ist nicht „wie man sich in der Erde versteckt". Gotonpo ist „wie man mit der Erde so verbunden ist, dass man in ihrem Fluss verschwindet."
In der schamanischen Lesart bedeutet Gotonpo: der Praktizierende stimmt sich auf ein Element ein, wird für einen Moment Teil davon. Wer mit Wasser arbeitet, nimmt die Eigenschaft des Wassers auf – fließen, sich dem Gefäß anpassen, weich und dennoch unaufhaltsam sein. Wer mit Feuer arbeitet, nimmt die Eigenschaft des Feuers auf – klar, schnell, verwandelnd. Das ist schamanische Kategorie, nicht nur physische Technik.
Die Hikoma-Linie und Taguchi Sensei
Die Linie, in der Dr. Mark Hosak heute steht, geht auf Taguchi Sensei zurück. Diese Linie trägt die schamanisch-magischen Elemente des Ninjutsu weiter – nicht nur die körperlichen Techniken. Dr. Hosak ist offizieller Nachfolger und hat die Übertragung für Kuji Kiri und die zugehörigen inneren Praktiken.
Das ist ein wichtiger Punkt für ein westliches Publikum: Ninjutsu ohne diese inneren Elemente ist eine Kampfsport-Variante. Ninjutsu mit diesen Elementen ist eine schamanisch-magische Tradition, die den Körper als Instrument verwendet, um geistige Arbeiten zu tun. Der körperliche Aspekt wird in der Linie selbstverständlich gepflegt – aber er ist nicht der Kern.
Der Ninja als schamanischer Krieger
Wenn man den historischen Ninja mit den Kategorien des Krieger-Schamanismus liest, fallen drei Dinge auf, die ihn mit anderen Krieger-Traditionen verbinden:
Er arbeitet mit geistigen Verbündeten
Wie der Wolfs-Krieger sein Krafttier hat, wie der haitianische Vodouisant seine Loa, so hat der Ninja der Tradition seine Schutzgottheiten. Fudo Myoo ist einer der häufigsten – der unbewegliche König, der mit Schwert und Strick unter einer Flammen-Aura steht. Fudo ist kein sanfter Helfer; er ist der geistige Rücken des Kriegers, der den Entschluss festhält, auch wenn der Körper wanken will.
Er arbeitet mit dem Atem als Magie
Im Ninjutsu ist der Atem nicht nur physiologisch wichtig. Er ist der Träger der Silbe, der Träger des Ki, der Träger der Absicht. Eine Silbe, die nicht mit dem richtigen Atem gesprochen wird, wirkt nicht. Das ist identisch mit den Praktiken in vielen anderen schamanischen Traditionen – im daoistischen Qigong, im tibetischen Tantra, im schamanischen Singen indigener amerikanischer Kulturen.
Er arbeitet mit Verschwinden als Praxis
Die Fähigkeit, unauffällig zu sein – vom Anderen nicht gesehen zu werden – ist im Ninjutsu nicht primär eine Tarn-Technik. Sie ist eine meditative Praxis: das Ego zurückzunehmen, bis es keinen Schatten mehr wirft. Das ist eine schamanische Kategorie. Ein Schamane, der mit geistigen Wesen arbeitet, muss ebenfalls sein Ego beiseite stellen können. Nur so wird er durchlässig für die Kräfte, mit denen er arbeiten will.
Ninjutsu in der heutigen Praxis
Bei Shamanic Worlds liegt der Fokus auf der schamanischen Tiefe. Die körperliche Übertragung des Ninjutsu findet im Tengu Akasho Dōjō statt – der Linie, die Dr. Hosak für die Dōjō-Arbeit führt. Die beiden Ebenen gehören zusammen: ohne körperliche Praxis verlieren die magischen Elemente ihren Boden. Ohne magische Elemente verliert die körperliche Praxis ihre Tiefe.
Tengu Akasho Dōjō · die körperliche Linie
Die Dōjō-Arbeit im Ninjutsu – Grundformen, Waffen, Bewegungslehre – findet im Tengu Akasho Dōjō statt. Kuji Kiri und Gotonpo werden dort in die körperliche Form eingebettet. Wer beides will – schamanische Tiefe und körperliche Form – findet hier die Ergänzung.
tengu-akasha-dojo.deDie magische Seite des Ninjutsu entdecken
Die Einweihung in Kuji Kiri geschieht in den Live-Events der Ninjutsu- und Shingon-Linie. Die schamanische Tiefe steht bei Shamanic Worlds, die körperliche Form im Tengu Akasho Dōjō.