Daoismus20. April 2026 · 9 Min Lesezeit

Die acht Unsterblichen ·
Baxian des Daoismus

Acht Menschen, die in die Berge gingen und niemals zurückkehrten · oder anders zurückkehrten · die Baxian sind das daoistische Bild dessen, was menschliche Praxis erreichen kann.

Acht Unsterbliche Baxian · schamanische Praxis nach Dr. Mark Hosak
Acht Unsterbliche Baxian · schamanische Tradition

In jedem chinesischen Teehaus, in vielen Privathäusern, auf Porzellan und in Wandbildern begegnet man ihnen: acht Figuren, die zusammenstehen, jeder mit einem besonderen Gegenstand in der Hand – ein Fächer, eine Flöte, ein Schwert, ein Krug, eine Blume. Die Baxian (八仙), die „acht Unsterblichen". Sie sind nicht Götter im klassischen Sinn. Sie sind Menschen, die durch daoistische Praxis in einen Zustand übergegangen sind, der nicht mehr dem gewöhnlichen Leben und Sterben unterliegt.

Dieser Artikel vertieft ein Thema aus der Daoismus-Übersicht „Daoistischer Schamanismus · Wu, Innere Alchemie, Unsterbliche" auf.

Was ein Xian ist

Das Wort Xian (仙) besteht aus zwei Bestandteilen: „Mensch" und „Berg". Ein Xian ist wörtlich „ein Mensch des Berges" – jemand, der in die Berge gegangen ist und dort, durch Praxis, eine Form von Sein erreicht hat, die den Menschen der Städte fremd bleibt. Manchmal werden Xian als unsterblich im physischen Sinn beschrieben – sie leben Jahrhunderte. Manchmal als unsterblich im geistigen Sinn – sie sind nicht mehr an den Kreislauf von Leben und Tod gebunden. Die Begrifflichkeit schwankt.

Was sicher ist: die Xian haben ihre Kontrolle über den eigenen Körper, den Atem, das Qi auf eine Weise kultiviert, die sie ungewöhnlich macht. Sie können in Meditation versinken, sie können Wunder vollbringen, sie können sich mit anderen Wesen verständigen. Sie sind der Fluchtpunkt, auf den die gesamte Neidan-Arbeit zielt. Siehe Innere Alchemie · Jing, Qi, Shen.

Die acht Gestalten

Welche acht sind es? Die Liste variiert leicht in verschiedenen Überlieferungen, aber die folgende Version ist die am meisten verbreitete:

Zhongli Quan

Der älteste der Gruppe. Ein ehemaliger Heerführer der Han-Dynastie, der nach militärischen Niederlagen in die Berge ging und dort das Geheimnis der Alchemie fand. Er trägt einen Fächer, mit dem er Tote zum Leben erwecken kann.

Lü Dongbin

Ein Gelehrter der Tang-Zeit, der in einem Traum seinen ganzen Lebensweg und dessen Vergeblichkeit sah. Nach dem Erwachen verzichtete er auf die Karriere und ging in die Berge. Er trägt ein Schwert, mit dem er Dämonen bekämpft. Einer der beliebtesten Xian – zahlreiche Schulen führen sich auf ihn zurück.

Li Tieguai

„Li mit dem Eisenstock". Seine Geschichte ist bizarr. Bei einer astralen Reise verließ sein Geist den Körper. Sein Begleiter verbrannte den scheinbar leblosen Körper zu früh. Der heimkehrende Geist musste in einen Bettler-Körper einsteigen, der gerade gestorben war. Seitdem trägt er das Aussehen eines alten Bettlers mit Stock und Kürbis-Flasche – ist aber innerlich ein hoher Xian.

Zhang Guolao

Ein alter Mann, der oft rückwärts auf einem Esel reitet. Sein Esel kann sich bei Bedarf in ein Stück Papier verwandeln, das er in der Tasche trägt. Er steht für Paradoxe – das Alte kann jung sein, das Vorwärts kann rückwärts gehen.

Han Xiangzi

Der Flötenspieler der Gruppe. Seine Musik wird mit Blumen-Blühen in Verbindung gebracht. Er kann Pflanzen in Sekunden zum Wachsen bringen und Weinen zum Tanzen. Der junge Aspekt der Gruppe.

Cao Guojiu

Der einzige Adelige der Gruppe. Er trug eine Holztafel, die seinen Rang am kaiserlichen Hof ausweist. Er steht für die Möglichkeit, dass auch Menschen aus gehobenen Verhältnissen den Weg gehen können – wenn sie bereit sind, alles zurückzulassen.

He Xiangu

Die einzige weibliche Xian. Sie hält einen Lotus in der Hand. Sie wurde durch ritualisierten Perlenmuschel-Verzehr und Pfirsich-Diät unsterblich. Für ihre weibliche Qualität in der Gruppe oft besonders verehrt – eine Erinnerung, dass der Weg auch Frauen offensteht.

Lan Caihe

Die androgynste der Gestalten – in manchen Darstellungen als Jüngling, in anderen als Jungfrau dargestellt. Ein Bettler, der mit einem Korb voller Blumen durch die Gassen zieht und immer wieder Lieder singt. Der freieste der Xian – an kein Geschlecht, keine Konvention gebunden.

Die Baxian sind nicht ein Götterteam. Sie sind acht verschiedene Wege zur Unsterblichkeit · und die Botschaft ist klar: es gibt nicht einen Weg. Jeder Mensch hat seinen eigenen.

Warum gerade acht

Die Achtzahl ist nicht zufällig. Im daoistischen Kosmos entsprechen acht den acht Trigrammen des Yijing. Jede Himmelsrichtung hat ein Trigramm, jedes Trigramm eine Qualität. Die acht Xian repräsentieren damit die vollständige Palette menschlicher Möglichkeiten. Ein Mensch kann weiblich oder männlich sein, jung oder alt, adelig oder bettelarm, kriegerisch oder künstlerisch veranlagt – in jeder Rolle ist der Weg möglich.

Ihre Bedeutung für die Praxis

Für den heutigen Praktizierenden sind die Baxian aus mehreren Gründen wichtig:

Sie sind Vorbilder ohne Perfektions-Imperativ. Jeder von ihnen hatte Schwächen und Besonderheiten. Li Tieguai ist äußerlich ein Bettler. Lü Dongbin war ein gescheiterter Gelehrter. Zhang Guolao reitet rückwärts. Die Botschaft: man muss nicht perfekt sein, um den Weg zu gehen. Man muss ihn nur gehen.

Sie sind konkret. Anders als abstrakte Götter sind die Baxian Persönlichkeiten. Man kann sie ansprechen. Man kann sie um Rat fragen. Man kann sich einen bestimmten Xian als Begleiter für eine bestimmte Phase wählen.

Sie sind gruppiert. Die Baxian treten selten allein auf. Sie zeigen, dass auch spirituelle Arbeit einen Rudel-Charakter hat. Keiner arbeitet für sich allein.

Die Baxian und die moderne Praxis

In chinesischen daoistischen Tempeln werden die Baxian bis heute verehrt. Einer der wichtigsten Tempel ist Baxian Gong in Xi'an. Dort werden sie mit Räucherwerk geehrt, Pilger bitten sie um ihre Unterstützung in bestimmten Lebensphasen.

Für westliche Praktizierende sind die Baxian zugänglich – sie sind konkret, bildhaft, persönlich. Man kann mit ihnen arbeiten, indem man sich innerlich an einen von ihnen wendet, in dem man sein Bild oder seinen Namen auf einen Altar stellt, indem man seine Geschichte immer wieder liest.

Die Baxian bei Shamanic Worlds

In der daoistischen Arbeit bei Shamanic Worlds werden die Baxian als geistige Gesprächspartner vorgestellt. Für bestimmte Lebenslagen – eine schwere Entscheidung, ein Neuanfang, das Loslassen einer alten Identität – kann einer der acht ein hilfreicher Begleiter sein. Der Weg dorthin ist die schamanische Innen-Arbeit: sich in der Meditation einem der Xian zuwenden, mit ihm sprechen, sein Bild in sich aufleben lassen.

Den Unsterblichen begegnen

Die Begegnung mit den Baxian geschieht in der daoistischen Praxis des Wolfs-Schamanen Meisterwegs.

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